Stelzenfestspiele unterm Weihnachtsbaum

Ein Weihnachtsgeschenk für alle Freunde des Festivals oder solche die es werden wollen ist der etwa 100 Seiten umfassende Gedicht-Bildband, der zum 20-jährigen Jubiläum der Stelzenfestspiele erschienenen ist. Das lyrische Bilderbuch mit Fotografien von Gert Mothes und Gedichten von Gottfried Blumenstein gibt es ab sofort zum Schnäppchenpreis von 10 € + Versand. Bestellungen richten Sie bitte an: info@stelzenfestspiele.de.

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Stelzenfestspiele im GewandhausMagazin Nr. 84, Herbst 2014

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Wer in den frühen 1990er Jahren bei einem der ersten Stelzenfestspiele zu Gast war, für den sind die unkonventionellen Anfänge des Wald-und-Wiesen-Musikfestes unvergesslich. Da lud die Leipziger Avantgarde-Szene zur „Landmaschinen-Sinfonie“, an einem brennenden Klavier sang ein stimmlich begnadeter Landwirt Opernarien, die Dorfbewohner standen am Grill oder schmierten Fettbemmen. „Das musst Du Dir unbedingt anschauen, das ist so verrückt, dass ich dreimal nachfragen musste, ob das wirklich Musiker vom Gewandhausorchester sind“, schwärmte der damalige Ortspfarrer und Vater des Autors dieser Zeilen. Der angehende Journalist trampte daraufhin ins Vogtland, baute auf der Kirchwiese sein Zelt auf, genoss trotz Dauerregens das 1995er Festival und kehrte als Berichterstatter und später auch als Dramaturg immer wieder zurück.

Der zehnte Jahrgang war für das Gewandhaus-Magazin 2002 Anlass, Stelzen eine Titelgeschichte zu widmen. Festivalinitiator Henry Schneider, seines Zeichens Gewandhausbratscher, erläuterte darin, wie das Ganze aus der Taufe gehoben wurde: 1956 wurde er im Nachbarort geboren, seit den späten 1980er Jahren wohnt er in Stelzen, mit seinen Ideen hatte er schnell das ganze Dorf angesteckt. Aber wie hat er eigentlich nach der anarchischen Premiere den Männern und Frauen des 200-Seelen-Ortes klar gemacht, dass Stelzen nun alljährlich an einem Frühsommer-Wochenende im Ausnahmezustand sein wird? „Ach, das war kein Problem“, lacht der Bratscher verschmitzt. „Die Menschen im 17. Jahrhundert wussten ja im zweiten Jahr des Dreißigjährigen Krieges auch noch nicht, was sie in den nächsten drei Jahrzehnten erwarten würde!“

Auf solch einen Vergleich muss man erst einmal kommen, aber er passt. Denn für die Dörfler war es zunächst ein Kulturschock, dass Happenings wie „Sprengmeisters Nachtgesang“ im späten 20. Jahrhundert Teil der Hochkultur sind. Als sie aber sahen, dass überregionale Presse, Funk und Fernsehen den Namen des Ortes in die ganze Welt trugen und später sogar ein Dokumentarfilm gedreht wurde, packten alle mit an. „Das Festival ist den rund 200 Ehrenamtlichen zu verdanken, die im Trägerverein oder in dessen Umfeld mithelfen.“

Die sind – das ist nicht zu verhindern – im Laufe der Zeit gemeinsam älter geworden, wie Schneider beobachtete: „1994 hatten wir ein Kinderkonzert mit dem „Karneval der Tiere“. Die damaligen Kinder sind heute erwachsen, manche von ihnen kommen nun schon mit eigenen Kindern.“ Der Zuspruch ist im Laufe der Zeit zwar gewachsen, der Charakter des Festivals aber sei erhalten geblieben, ist sich der Musiker sicher. „Wir haben jetzt etwa 10 000 Besucher, mehr als drei Viertel des 120 000 Euro-Etats werden durch Eintrittspreise finanziert, der Rest stammt aus öffentlicher Förderung und Spenden.“ Die Mischung soll erreichen, dass die Horrorvision eines Hochglanzfestivals, wie sie das Gewandhaus-Magazin vor zwölf Jahren im Gespräch mit dem Festivalorganisator provolativ an die Wand malte, undenkbar bleibt. „Das wäre nicht mehr das Musikfest, das wir 1993 gegründet haben und das von den Einheimischen und Besuchern genau so gewollt wird.“

So bleibt auch nach dem 22. Jahrgang 2014 manches so, wie es sich eingespielt hat. Beispielsweise die „Bachwiese“: Ursprünglich war die Freiluftaufführung aller Werke des berühmtesten aller Thomaskantoren mit Musik von der Konserve nur für das Bachjahr 2000 geplant. Dann wurde die Aktion wiederholt, inzwischen gehört das gemeinsame Anhören von 170 CDs in freier Natur zu den festen Traditionen: „Die Bedingungen sind jedes Mal anders“, erzählt Schneider. „Ob bei Hitze oder im Regen, bei Dunkelheit oder im Morgengrauen – die Bachwiese hat inzwischen genauso ihre Fans wie die Landmaschinensinfonien. Und gerade Dorfbewohner finden es großartig, einen stressigen Tag mit Bachs Musik und dem Ausblick in diese grandiose Landschaft ausklingen zu lassen.“

Hagen Kunze

Friede den Hütten!

Friede den Hütten – Krieg den Palästen! Der Schlachtruf der französischen Revolutionsarmee von 1792 gewinnt in Stelzen demnächst vielleicht wieder an Aktualität. Zumindest teilweise – macht doch ein Bauvorhaben von sich Reden, das einen nicht zu unterschätzenden Angriff auf den, von so vielen geliebten, baulichen Charme des Festspielgeländes bedeutet. Die identitätsstiftenden Verkaufsbuden in Leichtbauweise sollen massiven Verkaufstempeln weichen.

Erste Entwürfe zeigen den drohenden Gesichtsverlust:

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Noch ist es aber nicht zu spät, ein runder Tisch soll zur Lösung des Konflikts beitragen. Seit kurzem bekommt die eher kleine Schar an Kritikern Unterstützung von einem ehemaligen Offizier der Sowjetarmee, die bis 1990 eine Radarstation auf dem heutigen Gelände unterhielt. Er setzt sich für einen Wiederaufbau der damaligen, zum Zwecke der Tarnung, ins Gelände integrierten Gebäude, ein.

Berg Hütte Armee

Weihnachtskonzert am 14.12.2014

Am 3. Advent, werden sich vier Musiker aus drei Orchestern auf den Weg nach Stelzen machen: Der Tubist David Cribb und Henry Schneider, der neben Bratsche neuerdings eine Nyckelharpa bedient, vom Gewandhausorchester, Eva Schneider, stellvertretende Solokontrabassistin bei den Bremer Philharmonikern und der Trompeter Björn Kadenbach von der Dresdner Philharmonie. Gemeinsam werden sie die Stelzener Kirche mit weihnachtlichen Klängen füllen. Beginn: 16 Uhr, Karten an der Abendkasse

Weihnachtskonzert musiker neu